Kategorie: Andachten

Andacht zumToten- bzw. Ewigkeitssonntag

Andacht zumToten- bzw. Ewigkeitssonntag

Psalm 90,12
„Lehre uns bedenken, dass wir sterben
müssen, auf dass wir klug werden.“


An die eigene Endlichkeit denken,
kann uns in Angst versetzen und
Druck machen. Was will ich noch in
meinem Leben erreichen? Ich könnte
etwas Wichtiges verpassen! Und tatsächlich,
im Internet und in den Bücherregalen
springen etliche auf diese
Todesangst auf mit sogenannten
bucket lists oder frei übersetzt
„Löffellisten“.
Ein Beispiel: „40 wichtige Dinge, die
auch du in deinem Leben unbedingt
gemacht haben solltest, bevor du den
Löffel abgibst!“ oder „99 Dinge, die
man im Leben ultimativ getan haben
sollte.“ und die Zahl lässt sich beinah
ins Unendliche erhöhen: Von 254 oder
gar 500 Dingen ist da die Rede. Zugegeben,
sie sind oft so übertrieben oder
willkürlich, dass man sie nicht
ernst nehmen kann. Z.B.: Bereise alle
Länder der Welt, die mit A anfangen.
Warum nicht mit P wie Puerto Rico?
Manche sind richtig anregend: Auf
einer Wiese liegen und Wolkenbilder
finden. Dafür nehmen wir uns wohl
tatsächlich zu wenig Zeit! Manche
sind echt süß: Einen Igel im Keller
überwintern lassen.
Aber einmal abgesehen von solchen
recht willkürlichen Lebenszielen haben
wir alle welche. Mehr oder weniger
bewusst leben wir danach. Eine Familie
gründen gehört klassisch oft dazu
oder ein Haus ausbauen. Jede und
jeder hat noch seine ganz persönlichen
Lebensziele. Sie verändern sich
auch im Laufe des Lebens.
Ein 76-Jähriger hat andere als eine
18-Jährige.
Aber es kommt vor, dass wir unsere
Sterblichkeit spüren, wie es der Psalm
sagt. Dabei denke ich nicht vordergründig
an den Tod, sondern an Abschiede
von uns Wichtigem: Ein Lebenstraum
zum Beispiel oder ein Teil
meiner Gesundheit. Es kann auch ein
großer materieller Verlust sein oder
die gute Beziehung zu jemandem.
Immer dann ragt unsere Sterblichkeit
in unser Leben, eine Verbindung zum
Leben reißt ab. Aber wie gehen wir
mit dem um, was für uns unwiederbringlich
verloren ist? Was heißt dabei
„klug werden“?
Eine christliche Antwort gibt uns Paulus
im ersten Korintherbrief, Kapitel
drei. Er schreibt da: Denn niemand
kann ein anderes Fundament legen als
das, das schon gelegt ist. Und das ist
Jesus Christus. Es spielt keine Rolle,
womit auf dem Fundament weitergebaut
wird: mit Gold, Silber oder Edelsteinen,
Holz, Heu oder Stroh. Es wird
sich zeigen, was das Werk eines jeden
Einzelnen wert ist. […]
Verbrennt das Werk, wird er seinen
Lohn verlieren. Er wird zwar gerettet
werden – aber nur wie jemand, der
gerade noch dem Feuer entkommen
ist.
(1. Korinther 3,11-13a.15 Basisbibel)
Aus christlicher Sicht können wir tatsächlich
unser Lebensziel verfehlen.
Und es ist gar nicht, wie die Löffellisten
vermuten lassen, dass ich mir
selbstgesteckte Ziele erfüllen muss.
Es ist das, was Gott für mein Leben
möchte und besteht in der Christusnachfolge.
Das reicht von den allgemeinen
Zielen, Gottes Gebote zu halten
und ihn durch meine Taten und
Einstellung zu ehren. Bis hin zu den
ganz persönlichen Aufgaben, die Gott
mir gibt. Diese erkenne ich, wenn ich
Gott darum bitte.
Aber auch hier kann ich manchen Ansprüchen
nicht gerecht werden, kann
Lebensziele verfehlen. Dann, wenn ich
mich am Ende meines Lebens vor Gott
verantworten muss. Tatsächlich kann
mein Lebenswerk bildlich gesprochen
verbrennen, es für wertlos oder sogar
schädlich beurteilt werden. Von anderen,
von mir, von Gott.
Und trotzdem ist damit noch nicht alles
verloren. Ich selbst bin es nicht. Jesus
Christus hat sich mit mir fest verbunden.
Mit seiner Auferstehung von den
Toten hat er meiner Sterblichkeit den
letzten düsteren Ernst genommen.
Mögen alle Verbindungen zu einem
erstrebenswerten Leben zerreißen.
Eine Verbindung bleibt: Die zu Jesus
Christus, den von den Toten Auferstandenen.
In der Taufe wird mit mir
diese Verbindung festgemacht und im
Abendmahl gestärkt. Im Vertrauen auf
Christus trägt sie mich wie ein fester
Grund, von dem Paulus spricht. Dieser
Halt tröstet in den Verlusten des Lebens.
Er hilft, gelassen und befreit ein
gottgefälliges Leben zu suchen und
über manchen Anspruch an ein angeblich
perfektes Leben entspannt zu lachen.
So leben wir klug mit unserer Sterblichkeit.
Pfarrer P. Pohle

Ein Wort von Landesbischof Tobias Bilz zum Buß- und Bettag

Ein Wort von Landesbischof Tobias Bilz zum Buß- und Bettag

»… so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.« (Mt 11, 29)
Der Buß- und Bettag ist in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. Das ist ein großes Geschenk!
Wir können einen zusätzlichen Tag dafür nutzen, um Klarheit darüber zu gewinnen, ob wir
mit unserer Lebensführung auf einem guten Weg sind und wir können mit Gott darüber
sprechen. So bietet dieser besondere Tag Gelegenheit für Selbstkritik, Besinnung und neue
Orientierung.
Wir begehen den Buß- und Bettag dieses Jahr mitten im November-Lockdown. Die erneuten
Einschränkungen verlangen uns eine Menge ab. Ich habe den Eindruck, sie werden schwerer
verarbeitet als im Frühjahr. Viele Menschen kommen an die Grenzen ihrer Kraft. Die Spannungen
unter uns nehmen zu, manchmal liegen die Nerven blank. Normalerweise leben
wir jetzt auf die Adventszeit zu und freuen uns auf Weihnachten, doch die Aussichten sind
dieses Jahr trüb.
Was bringt uns durch diese schwierigen Wochen? Wer hilft uns, das Geschehen einzuordnen?
Wie gewinnen wir neue Zuversicht?
Jesus verspricht, dass er Menschen zur Ruhe führen will. Im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums
ist das mit folgenden Worten aufgeschrieben:
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt
auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so
werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Ich erkenne darin drei große Herausforderungen und zugleich Chancen:

  1. Lasten bewegen
    Niemand möchte belastet sein und doch ist keiner dauerhaft davon befreit. Im Moment
    spüren wir stärker als sonst, was es heißt, nicht unbeschwert leben zu können. Uns wird
    neu wichtig, dass es Grundrechte geben muss. Zugleich bekommen wir vor Augen gehalten,
    dass sich daraus kein Anspruch auf unbeschwertes Leben ableiten lässt. Das löst bei vielen
    Widerstand aus. Manchmal ist Widerstand notwendig. Ich frage mich, ob er hier hilft oder
    nur zusätzlich Kraft kostet und für Aufregung sorgt.
    Demgegenüber empfiehlt Jesus, das Joch zu tragen. Damit stellt er uns die Frage, ob es nicht
    zumutbar ist, sich einspannen zu lassen, um eine Last zu bewegen. Im Moment heißt die Last
    vor allem Corona. Es gilt Einschränkungen zu ertragen und Mühe auf sich zu nehmen, um
    diese Herausforderung zu bewältigen. Dabei sind die Lasten ganz unterschiedlich verteilt.
    Deshalb dürfen wir nicht nur schauen, wie wir selbst gut durchkommen, sondern werden
    unser Leid auch ins Verhältnis setzen müssen zu dem, was andere zu tragen haben. Niemand
    soll überfordert werden. Wir bewegen die Lasten gemeinsam.
  2. Vorsichtig miteinander sein
    Obwohl niemand ganz genau weiß, welchen Gesetzmäßigkeiten das Corona-Virus folgt, erklären
    wir uns gegenseitig unablässig, wie damit umzugehen ist. Das geschieht zum Teil
    in großer Erregung. Verdächtigungen werden ausgesprochen, Argumente nicht zugelassen.
    Freundschaften kommen unter Druck und wechselseitige Aufforderungen haben ultimativen
    Charakter. Angst macht sich breit.
    Sanftmut aber ist die Fähigkeit, sich nicht von der Erregung mitreißen zulassen. Sie setzt auf
    einen behutsamen Umgang miteinander und möchte, dass niemand verletzt wird. Corona
    fordert uns genug heraus, durch mangelnde Sensibilität vergrößern wir die Last. Stattdessen
    muss jetzt immer mitgedacht werden, was unser Verhalten für andere bedeutet. Tragen wir
    zu Verwirrung und Spaltung bei oder liegen uns Ermutigung und Zusammenhalt am Herzen?
    Dort, wo die Sanftmütigen ihre Wirksamkeit entfalten, kommt der Himmel auf die Erde. Gerechtigkeit,
    Frieden und Freude gewinnen an Kraft. Alle können aufatmen.
  3. Sich selbst zurücknehmen
    Ein demütiger Mensch kann akzeptieren, dass er selbst nicht das Maß der Dinge ist. Er erkennt
    an, dass andere ihm gleichgestellt sind und ordnet sich ein. In der Corona-Pandemie lastet
    eine hohe Verantwortung auf denen, die in Politik und Gesellschaft, Gesundheitswesen und
    Wirtschaft Entscheidungen treffen müssen. Sie sollen nicht nur bestmöglich durch die Krise
    führen, sondern auch noch mit guten Argumenten und persönlicher Überzeugungskraft alle
    mitnehmen. Das kann nicht immer gelingen, zumal es unterschiedliche Handlungsoptionen
    gibt und die Dinge kompliziert sind. Verantwortliche brauchen jetzt Ermutigung und Unterstützung.
    Es muss ihnen zugetraut werden, dass sie unter Abwägung vieler Aspekte nach
    bestem Wissen und Gewissen handeln.
    Demütige Menschen sind keineswegs unterwürfig, wenn sie vorgegebene Einschränkungen
    mittragen. Sie sind aber bereit, um eines höheren Zieles willen, eigene Ambitionen zurückzustellen.
    Das ist jetzt besonders gefragt.
    Lasten bewegen, vorsichtig miteinander sein und sich zurücknehmen – das kann schnell
    zur Überforderung werden. Wir spüren, dass dazu Überwindung gehört. Mir gelingt das nur,
    wenn mein Gottvertrauen intakt ist. Wenn Gott mir Lasten zumutet und dabei an meiner
    Seite bleibt, werden sie tragbar sein. Weil er vorsichtig mit mir umgeht, kann ich auch anderen
    gegenüber vorsichtig sein. Ich glaube, dass Gott der Herr über das Leben ist, deshalb
    kann ich auch Menschen gegenüber demütig sein. So ist der Buß- und Bettag nicht nur zur
    Selbstbesinnung da. Er bietet vielmehr die Gelegenheit, Gott zu suchen und die Gewissheit
    zu gewinnen, dass er in der Krise mitten unter uns wirkt.
    Etwas Persönliches zum Schluss:
    Ich habe einen November-Gruß bekommen, eine Postkarte. Eine Collage zeigt einen blauen
    Hund auf einem Stuhl. Er schnauft durch und schaut von einem Hügel aus auf ein großes
    Durcheinander, welches sich zu seinen Füßen abspielt. Dazu steht: „innehalten – durchatmen
    – neu orientieren“.
    Noch nie hat mich jemand zum November gegrüßt. Deshalb spricht mich diese Karte besonders
    an. Sie weist mich auf das hin, was jetzt möglich ist und stimmt mich auf den Buß- und
    Bettag ein. Ich denke, es ist möglich, zur Ruhe zu kommen.
    Tobias Bilz
    Landesbischof

Wort zum Buß- und Bettag 2020
Herausgegben von
Landesbischof
Tobias Bilz
Bischofskanzlei
An der Kreuzkirche 6
01067 Dresden
bischof@evlks.de
www.evlks.de
Wort zum Buß- und Bettag 2020

Ein geistliches Wort zum Umgang mit der Coronapandemie

Ein geistliches Wort zum Umgang mit der Coronapandemie

Am Novembervormittag klingelt das Telefon. Nach einer Absprache sagt mir die Person, dass sie die ganzen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie für völlig überzogen hält. Unsere Freiheitsrechte würden stark eingeschränkt. Es werde unnötig schlechtes Gewissen gemacht und Angst verbreitet.

Nach ein paar Minuten klingelt das Telefon erneut. Eine andere Stimme. Die Person bittet eindringlich auf bestimmte kirchliche Angebote erst einmal zu verzichten. Das Risiko sich anzustecken sei zu groß. Viele Menschen vor Ort seien schon in Quarantäne.

Zwei Meinungen, die unterschiedlicher kaum sein können. Hier die Angst zu leichtfertig auf unsere Freiheiten zu verzichten. Dort die Sorge, die Lage nicht ernst genug zu nehmen und dabei aus einer falschen Freiheit heraus mit der Gefahr zu spielen. Beides ist nachvollziehbar.

Aber wie können wir mit der Coronapandemie und all den Maßnahmen umgehen? Und zwar so, dass wir gut miteinander auskommen, aber auch mit uns selbst im Reinen sind?

Ich suche eine Antwort bei dem Apostel Paulus. Oft ist er auf seinen Missionsreisen mit ähnlichen Konflikten in den Gemeinden konfrontiert. An konkreten Fragen scheiden sich die Geister. Während die einen sich frei fühlen und frei handeln, fühlen die anderen sich gebunden und tun bestimmtes nicht. Beide haben gute Gründe für ihre Haltung (1. Korinther 8,1-13).

Damals wie heute bleibt die Frage, wie wir im Konflikt mit unserer Freiheit umgehen: Lasse ich meine Freiheit zu sehr beschränken oder bringe ich mit der Freiheit, die ich mir nehme, andere in Not?

Paulus beginnt seine Überlegung folgendermaßen: „,Wir alle wissen doch in dieser Sache Bescheid‘, sagt ihr, und damit habt ihr sicher Recht. Aber bloßes Wissen macht überheblich.“ (Vers 1 Neue Genfer Übersetzung)

Mit „Wissen“ ist auch die eigene Meinung gemeint, nach der wir handeln. Je nach dem gehen uns unterschiedliche Gedanken durch Kopf und Herz, wenn wir Menschen im Geschäft begegnen ohne Masken oder andere weit Abstand von uns halten. Schnell sind wir dabei, uns durch den Umgang anderer mit den Coronaschutzmaßnahmen persönlich herausgefordert zu fühlen. Und schnell kann man überheblich werden: „Was der hat! Der soll sich entspannen!“ Oder: „Merkt die es nicht? Das ist leichtsinnig, so rücksichtslos wie sie sich verhält!“

Aber so kommen wir nicht weiter, sagt Paulus: „Was uns wirklich voranbringt, ist die Liebe.“ (Vers 1) Nicht die eigene Meinung soll unser Denken und Handeln bestimmen, sondern was die oder der andere gerade jetzt braucht. Es braucht eine neue Freiheit, nämlich zugleich zu mir stehen zu können, aber auch auf den anderen einzugehen. Aber woher bekomme ich diese innere Freiheit? Paulus sagt: „Wer Gott liebt, weiß, dass Gott ihn kennt und liebt.“ (Vers 3) Die eigene Meinung und Einstellung sind Gott wertvoll und wichtig. Wenn wir uns also bei Gott geborgen und verstanden wissen, können wir anderen Raum geben. Von Gott innerlich gehalten, können wir unverkrampft zu uns stehen und auch andere stehen lassen, ohne sie zu verurteilen oder zu etwas zu zwingen, was sie nicht möchten.

Wer so innerlich frei ist und denen der Schutz vor Corona persönlich wichtig ist, kann andere gelassen bitten, sich in meiner Gegenwart an die Regeln zu halten. Gott schenkt mir die Freiheit dazu.

Und derjenige, der mehr Freiheit im Umgang mit dem Virus hat, kann sich trotzdem daran halten. Aus Rücksicht auf diejenigen, denen etwas daran gelegen ist. Gott schenkt mir die Freiheit dazu.

Aber es kann nicht mehr darum gehen, auf Prinzipien zu pochen, und die Einhaltung der Maßnahmen durchsetzen zu wollen, wenn es mich nicht betrifft oder nicht in meine Verantwortung fällt. Und andererseits kann es auch nicht mehr darum gehen, Menschen, denen der Schutz vor dem Virus wichtig ist, durch mein Verhalten vor den Kopf zu stoßen. Und schließlich kann es auch nicht darum gehen – wenn wieder neue Nachrichten die eine oder andere Sichtweise bestärken – mit dem Finger zu zeigen. Das bringt uns nicht zusammen und es hilft nicht sich zu verstehen. Paulus würde sagen: Das ist lieblos.

Allerdings wird hier deutlich, dass die Vorsichtigen eher berücksichtigt werden. Ja. Aber es geht hier um die konkrete Situation, die spontane oder notwendige Begegnung in der Öffentlichkeit, im Geschäft, auf Arbeit oder im Privaten. Genauso unerlässlich bleibt auch der Austausch über die verschiedenen Sichtweisen, Argumenten und Meinungen. Wir müssen uns verständigen, hoffentlich auch einigen! Doch das braucht einen geeigneten Rahmen, bei dem sich alle auf einen Austausch einlassen können. Pfr. Pohle

Andacht zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres

Andacht zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres

Friedensstifter …
sind besondere Menschen.
Ich habe sie immer bewundert.
Ihnen gelingt, was ich für unmöglich
halte: Versöhnung schaffen. Viele Beispiele
fallen mir ein. Zwei will ich hier
stellvertretend nennen: Die deutschfranzösische
Aussöhnung nach dem

  1. Weltkrieg, betrieben von Charles de
    Gaulle und Konrad Adenauer oder der
    Kniefall von Willy Brandt am Ehrenmal
    der Helden des Warschauer Ghettos.
    Jesus selbst hat eine hohe Meinung
    über Friedensstifter. Das Matthäusevangelium
    zitiert Jesus mit den Worten:
    „Selig sind, die Frieden stiften;
    denn sie werden Gottes Kinder heißen“,
    Matthäus 5,9.
    Nun ist es eine Sache, sich auf der
    „großen Bühne“ als
    Friedensstifter zu profilieren.
    Wie aber ist
    das, wenn ich privat
    unterwegs bin, in meinem
    Umfeld, dort, wo
    das wachsame Auge
    der Öffentlichkeit nicht
    hinschaut? Bin ich bereit,
    Jesu Auftrag auch
    im Kleinen zu folgen?
    Ein kleines Detail ist
    mir an Jesu Worten
    aufgefallen: Die Bibel
    bezeugt, wer sein Leben
    Jesus Christus anvertraut
    hat,
    der ist Kind Gottes.
    Wer Frieden stiftet, der
    wird von anderen ein
    Gotteskind genannt.
    Ich deute das so: Die Menschen um
    mich herum erkennen und bestätigen,
    dass ich ein Kind Gottes bin, weil sie
    sehen und erleben, wie ich handle.
    Für Jesus ist der Glaube keine Privatsache.
    Was er in meinem Herzen verändert
    hat, soll Auswirkungen auf die
    Gesellschaft um mich herum haben.
    So, wie er Frieden und Versöhnung mit
    Gott in meinem Herzen gestiftet hat,
    möchte er, dass ich Friedensstifter für
    andere werde. Denn: „Selig sind, die
    Frieden stiften; denn sie werden Gottes
    Kinder heißen.“
    Von Wolf-Dieter Kretschmer, erf
    (https://www.erf.de/index.php?
    content_spage=&node=72&content_item=4725)
Andacht Markus 2,23-28

Andacht Markus 2,23-28


Im Text geht es um die Jünger, die
Ähren ausraufen am Sabbat,
was die Pharisäer kritisieren.
Denn das Gebot der Heiligung
des Feiertages ist für sie
wichtig.
Jesus macht ihnen deutlich,
dass der Sabbat für den Menschen
da ist. Also ist die Sabbat-
Ruhe kein Selbstzweck
und Gott kein Herr, der über
die Einhaltung seiner Gebote
wacht. Gott ist ein Gott des
Lebens und der Lebensfreude,
so ist auch die Gestaltung des
Tages zu sehen.
Bei der Sonntagsheiligung geht es
nicht in erster Linie um ein Arbeitsverbot,
sondern darum, dass der Sonntag
dem Leben dient.
Zum Leben gehört unmittelbar, dass
Zeit für die Begegnung mit Gott sein
muss, dass dieses Fest des Lebens
gefeiert werden kann. Sonntags geht
es um „das Leben“.
Die Seele braucht die Liebe.
Um diese Liebe Gottes, die unter uns
wirksam wird, geht es, wenn wir das
Leben in Gemeinschaft feiern.
Das können auch kleine Freundschaften
sein, damit das Leben neuen Farbenglanz
gewinnt und unser innerer
Kompass auf Jesus und sein Erlösungswerk
neu ausgerichtet
wird.
Jeder Mensch steht in seinem Leben
vor der Aufgabe,
seinem Leben eine Richtung
zu geben.
Im Nebel oder in der Krise ist es
schwer, Orientierung zu halten.
Gottes Wort hilft uns
wie der Kompass als ein altes
Messgerät in der Natur.
Diese Ausrichtung auf das Lebenslicht
wünsche ich Ihnen in dieser
dunkler werdenden Zeit.
A.Schenk.

Andacht Psalm 55

Andacht Psalm 55


Liebe Leser,
blättern Sie doch bitte nochmal zurück
zur Titelseite, und vertiefen sich eine
kleine Weile in das Bild …
Welche Gefühle und Gedanken steigen
da aus uns hervor?
Faszination? Wehmut? Sehnsucht?
Lebensfreude? Geborgenheit? Abschiedsstimmung?
Verzagtheit?
Wir leben in der Jahreszeit, die derartige
Naturschauspiele bereithält:
Vogelschwärme, die rauschend über
uns dahinziehen in eine uns unbekannte
Ferne.
Vielleicht schauen wir noch lange
nach, bis ihr hundertfaches Singen
verklingt und sich die Konturen auflösen
im klaren, kühlen, orange-roten
Abendhimmel.
Dann fühlen wir vielleicht dieses Brennen
in der Brust, diesen leichten Druck
im Hals – eine Empfindung, ähnlich
einem Abschied:
Man steht am Bahnsteig, der Zug setzt
sich fast lautlos in Bewegung. Wir winken
einem vertrauten, geliebten Menschen
… wir winken noch immer, obwohl
wir wissen, dass er uns längst
nicht mehr sehen kann.
Ziehende Vögel erinnern uns womöglich
auch an unser Fernweh. Oder an
den Wunsch, dem zu entkommen, was
uns ängstigt, bedrängt oder gar krank
macht.
Im Psalm 55
wird das sehr bildhaft ausgedrückt:
“O, hätte ich Flügel wie Tauben, dass
ich wegflöge und Ruhe fände! Siehe,
so wollte ich in die Ferne fliehen und
in der Wüste bleiben. Ich wollte eilen,
dass ich entrinne vor dem Sturm und
Wetter!“
Hier ist der klagende Beter enttäuscht
von einem falschen Freund. Er
wünscht sich einfach nur weit, weit
weg.
Noch beklemmender ist es, wenn wir
am liebsten vor uns selbst davonlaufen
würden.
Ja, manchmal scheint uns der eigene
Schatten bedrohlich zu werden und
unser Spiegelbild ängstigt uns.
Schauen wir nochmal den Vögeln
nach: Im Herbst ist für sie hier kein
Bleiben.
Wir aber haben hier Heimat, Haus und
warme Stuben. Auch das kann uns
dieses Bild sagen. Und Ihnen sagt es
sicher noch viel mehr, als in den wenigen
Zeilen hier anklingt.
Mir kommt dabei eine Lied-Vers in den
Sinn, der mit seinem
“Wir ruhen all in Gottes Hand“
alles das, was uns bewegt, was wir
fühlen und denken, einschließen kann.

Ihr Kantor C. Domke

Nehmt Abschied, Brüder,
ungewiss ist alle Wiederkehr,
die Zukunft liegt in Finsternis
und macht das Herz uns schwer.
Der Himmel wölbt sich übers Land,
ade, auf Wiedersehn.
Wir ruhen all in Gottes Hand,
lebt wohl, auf Wiedersehn!

Andacht „Geordnete Verhältnisse“

Andacht „Geordnete Verhältnisse“

Andacht Lk 19,1–10
2 Zachäus, der oberste Zolleinnehmer, ein reicher Mann,
3 wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus war. Aber es gelang ihm nicht, weil er klein war und die vielen Leute ihm die Sicht versperrten.
Dieses Gefühl bekommt er nicht los. Dieses Gefühl, dass er einfach nicht groß genug ist. Aber nicht nur jetzt in der Masse der Leute, die Zachäus die Sicht versperren. Schon sein ganzes Leben hat er das Gefühl, dass er zu kurz kommt. Die anderen haben schon immer auf ihn herabgesehen und über ihn gelacht. Irgendwann dreht er den Spieß um und bändelt mit den ver-hassten Römern an. Die geben ihm eine gutbezahlte Stelle als oberster Zolleinnehmer von Jericho. So treibt er für sie die Steuern von den Leute ein, die die Stadt mit ihrer Ware betreten oder verlassen. Das spielt Geld in die Stadtkassen und in seine eigene. Gern auch mal mehr, als die Gesetze vor-schreiben. Aber mit den römischen Besatzern hinter sich fühlt er sich stark, fühlt er sich groß. Was die
anderen über ihn schimpfen, ist ihm egal. Für sie ist er ein Verräter. Von ihm wird sich fern gehalten!
Heute ist ein besonderer Tag.
Jesus, der Zimmermann und Wunder-mann aus Nazareth, kommt in seine Stadt. Diese Chance will er sich nicht entgehen lassen. Er fühlt sich klein, doch er hat sein ganzes Leben gelernt, sich größer zu machen. Er ist schlau und er kann gut klettern. Oben auf dem Baum will er die beste Sicht auf den Heiler haben. Einsame Spitze!
Doch dann hört er sei-nen Namen.
„Zachäus, komm da runter! Schnell, ich muss zu Dir in Dein Haus und Dein Gast sein.“ Zachäus, leicht perplex, folgt den klaren Anwei-sungen. „Warum nicht?“ Denkt er sich. Alle hassen mich und der berühmte Rabbi kommt zu mir. Endlich kann ich ihnen allen zeigen, wie wichtig ich bin und wie groß. Doch dann hört er Jesus von dem Reich Gottes reden. Er hört, dass dort jeder Mensch geachtet wird, auch er. Einfach so, weil Gott das so will. Der kleine Mann, der sich irgend-wie groß machen wollte, um gesehen und wichtig zu sein, bekommt die An-erkennung einfach so. Es durchzuckt Zachäus. Er versteht: „Jesus isst bei mir, nicht weil ich so reich bin, son-dern einfach, weil ich es in seinen Au-gen wert bin. Ich, der korrupte Hals-abschneider.“
Das erste Mal in seinem Leben erlebt er, dass er groß genug ist. Jetzt, wo sich die inneren Verhältnisse geordnet haben, drängt ihm die ganze Unge-rechtigkeit ins Gewissen, die er ande-ren angetan hat, um sie klein und sich selbst größer zu machen. Er will wie-der gerecht leben. Gibt zu viel genom-menes Geld vierfach zurück und die Hälfte seines Vermögens an die Armen Er ist mit Gott und sich versöhnt und streckt auch anderen die Hand hin. Darum urteilt Jesus: In diesem Haus ist es wieder etwas heil geworden. Halleluja!
Wohl dem, beim dem Gott so die Ver-hältnisse ordnet. Amen.
Pfr. Pohle

Andacht „Ohne Sonntag fehlt dir was“

Andacht „Ohne Sonntag fehlt dir was“


Mit diesem Werbespruch wirbt Liedermacher Gerhard Schöne für die Kirchenzeitung: „Der Sonntag“. Mir gefällt dieser Satz immer wieder. Ich will, dass mir nichts fehlt, dass ich keinen Mangel habe. Wenn es also den Sonntag (gemeint ist der Wochen-tag) nicht gäbe, würde mir was fehlen. Was könnte das sein?
Ein Tag zum Ausruhen, ob er nun Sonntag oder Mittwoch heißt, ist völlig unerheblich — brauche ich das wirklich? Gott sagt: „Ja, Mensch, diesen Tag brauchst du. Für dich und für mich.“ Vgl. 2. Mose 23,12
Gott ordnet einen freien Tag an.
Ich soll ihn für mich nutzen. Meine Seele braucht Zeit zum Auf-tanken. Ich darf aus-schlafen, ich darf den morgendlichen Kaffee trinken ohne Zeitdruck im Nacken, ich darf mir Zeit nehmen zum Lesen und Nachdenken, zum Spielen mit den Kindern oder Enkeln, zum Reden mit den Nachbarn. Ich kann Natur genießen beim Spaziergang oder einer Radtour.
Ich darf einfach sein. Womit tanken Sie Ihre Seele auf? Was tut Ihnen gut? Überlegen Sie mal!
Ich soll diesen freien Tag auch für Gott nutzen. Das klingt schon wieder ein bisschen nach Arbeit und Pflichterfüllung. So meint Gott das aber nicht. Gott hat uns Menschen geschaffen als sein Gegenüber.
Wir wollen doch auch mit anderen kommunizieren und Zeit verbringen, oder? Wir sind nicht zum
Alleinsein geschaffen.
ER möchte diese freie Zeit mit uns verbringen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, dies zu tun. Zum Bei-spiel mit einer Stillen Zeit allein im Wohnzimmer oder Garten. Bibellesen und darüber nachdenken, meditieren. Mit Lobpreis kann ich Zeit mit Gott verbringen, das heißt, Gott anbeten mit Liedern oder Psalmen oder eigenen Gebeten. Ich kann in Gemeinschaft einen Gottesdienst erleben. Mittlerweile nicht nur den klassischen in einer Kirche, sondern auch an ganz ungewöhnlichen Orten, so-gar im Internet. Und noch viele Möglichkeiten mehr.
Der Sonntag wurde für den Menschen gemacht, also für mich. Was mache ich damit? Was bringt mir das?
Probieren Sie es bewusst aus: Ein Tag in der Woche ohne Arbeit. Dafür Zeit für mich und Zeit für Gott. Sie werden erleben, dass Sie nie wieder ohne Sonntag leben wollen.
Genießen Sie die Sonntage!
Es grüßt Sie herzlich
Ihre Daniela Griesbach

Wie ein Baum am Wasser gepflanzt

Wie ein Baum am Wasser gepflanzt

Bäume sind für mich faszinierende
Lebewesen. Gern bin ich – vor allem
jetzt in den Sommermonaten – im
Wald unterwegs. Dort, wo viele Bäume
zusammenstehen, ändert sich das Klima:
Es ist feuchter und kühler. Der
ganze Wald ist lebendig. Wenn ich
eine Hand Wald-Erde nehme, sind dort
in der Regel mehr Lebewesen enthalten,
als es Menschen gibt. Um Schädlinge
abzuwehren, senden Bäume
Duftstoffe aus. Diese Duftstoffe sind
für uns Menschen ausgleichend und
regen unser Immunsystem an.
Damit jeder einzelne Baum im Gleichgewicht
bleibt, ist eine Sache entscheidend:
Ausreichend Zufuhr von
Wasser. Ohne Wasser kann er nicht
blühen und Früchte austreiben und
sich daher auch nicht vermehren.
Ohne Wasser kann er keine Duftstoffe
mehr aussenden und sich gegen
Schädlinge wehren. Ohne Wasser
vertrocknet der Baum, er dorrt aus
und stirbt ab und mit ihm Stück für
Stück des artenreichen Waldes.
Das Bild vom Baum, für den das Wasser
das Lebenselixier ist, nimmt der
Prophet Jeremia auf:
Gesegnet ist der Mann, der sich auf
den Herrn verlässt und dessen Zuversicht
der Herr ist. Der ist wie ein
Baum, am Wasser gepflanzt, der seine
Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn
obgleich die Hitze kommt, fürchtet er
sich doch nicht, sondern seine Blätter
bleiben grün; und er sorgt sich nicht,
wenn ein dürres Jahr kommt, sondern
bringt ohne Aufhören Früchte.
(Jeremia 17, 7+8)
Jeremia nimmt das Bild des Baumes
auf und vergleicht denjenigen, der an
Gott glaubt und auf ihn vertraut, mit
einem Baum an den Wasserbächen.
Wer seine Wurzeln Gott entgegen
streckt, ist allezeit gut versorgt. Egal,
ob Hitze oder Dürre kommen, wenn
Gott mein Lebenselixier ist, kann ich
so schnell nicht verdursten. Ich habe
Gott an meiner Seite. Gott gibt mir
Kraft und Mut. Durch ihn kann ich aufblühen
und reiche Frucht tragen. Und
von dieser Frucht kann ich wiederum
anderen abgeben und sie speisen.
Weil ich tief verwurzelt bin, kann ich
mich entfalten und eine große Baumkrone
ausbilden, die anderen Kühle
und Schatten bietet.
Lasst uns beten:
Herr, wie ein Baum sei vor dir mein
Leben. Gib mir Wurzeln, die tief in die
Erde reichen, dass ich fest verwurzelt
im Glauben an dich bin. Gib mir die
Kraft, zum festen Stamm zu wachsen,
dass ich aufrecht an meinem Platze
stehe, und nicht wanke, wenn auch
Stürme toben. Schenke mir vom Wasser
des Lebens, damit ich blühen und
Frucht bringen kann für mich und andere
und für dich, Gott. Amen (nach
Lothar Zenetti)
Pfarrerin Ch. Klement