Kategorie: Andachten

Andacht : Gelassenheit

Andacht : Gelassenheit


Um zur
inneren Gelassenheit
zu kommen,
rät uns die Bibel zu einer
bestimmten Einstellung:
“Alles hat seine Zeit und
ein jegliches Vorhaben unter dem
Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit,
sterben hat seine Zeit,
pflanzen hat seine Zeit,
was gepflanzt ist hat seine Zeit.
Töten hat seine Zeit,
heilen hat seine Zeit,
abbrechen hat seine Zeit
und bauen hat seine Zeit,
weinen hat seine Zeit,
lachen hat seine Zeit,
klagen hat seine Zeit,
tanzen hat seine Zeit,
Steine werfen hat seine Zeit,
Steine sammeln hat seine Zeit,
herzen hat seine Zeit,
aufhören zu herzen hat seine Zeit,
suchen hat seine Zeit,
verlieren hat seine Zeit,
behalten hat seine Zeit,
wegwerfen hat seine Zeit.
Zerreisen hat seine Zeit,
zunähen hat seine Zeit,
schweigen hat seine Zeit,
reden hat seine Zeit,
lieben hat seine Zeit ,
hassen hat seine Zeit,
Streit hat seine Zeit,
Friede hat seine Zeit.
Er hat alles schön gemacht
zu seiner Zeit, auch hat er
die Ewigkeit in ihr Herz gelegt.“
Das sind einige Verse aus dem Prediger im 3. Kapitel. Der Prediger spricht ein weises Wort gelassen aus, alles ist zweifellos richtig. Das Ganze stimmt mit Punkt und Komma und doch ist es schwer, diese Worte ins alltägliche Leben umzusetzen. Ja, alles im Leben hat seine Zeit, auch diese Coronakrise. Wenn wir jeden Lebensabschnitt, gute und schlechte Ereignisse aus Gottes Hand nehmen, wenn wir bedingungslos „Ja“ sagen, dann sind wir gelassen. Dann wissen wir, was er (Gott) tut, ist vollkommen. Innerer Reichtum ist
Gelassenheit. Diesen Reichtum der seelischen Stärke wünsche ich Ihnen und uns allen in diesen Tagen.
Gebet:
„Herr segne unser Tun und Lassen Amen.“
Gelassenheit ist ein Geschenk und keine Leistung. Die Ruhe Gottes macht alles ruhig. In diesem Sinne bleiben Sie gelassen.
Ihre A. Schenk

Andacht — Gott steht an unserer Seite

Andacht — Gott steht an unserer Seite


„Wir aber haben Gott auf unserer Seite! Er will uns helfen, Er wird für uns kämpfen!“ Das Volk vertraute seinem König und fasste neuen Mut. (2.Chronik 32, 7-8)
Hiskia war König von Juda. Er regierte in einer Zeit, in der Israel geteilt war in Nordreich und Juda. Ständig war sein Reich Angriffen der Assyrer ausgesetzt. Von Hiskia sagt die Bibel, er habe getan, was dem Herrn wohlgefiel.
Die Worte von Hiskia, dem König von Juda, klingen heute genauso wahr, wie vor Hunderten von Jahren, als sie in dieser Situation zum ersten Mal gesprochen wurden. Juda wurde durch den mächtigen König Assyriens, Sanherib, eingenommen. Hiskia bereitete Juda für den Kampf vor, indem er sie bewaffnete, aber nicht allein das. Er sprach auch ein viel wichtigeres Thema vor dem Volk an. Er wusste, dass Gottes Volk in solchen Momenten oft der Angst ausgesetzt war und er wusste, woher diese Angst kam. In solchen Herausforderungen gerieten die Leute oft in Panik, weil sie unter einer Identitätsamnesie litten. Das heißt, sie vergaßen, dass sie Gottes Kinder waren und sie vergaßen, wer Gott in seiner Allmacht und Herrlichkeit ist. In diesem Augenblick wusste Hiskia, dass es nicht reicht ein guter König und fähiger General zu sein; er musste auch ein weiser Seelsorger für das Volk sein.
Als sie sich auf den assyrischen Angriff vorbereiteten, wollte Hiskia nicht, dass das Volk von Juda dachte, sie müssten sich allein auf ihren Kampfmut, ihre Kriegserfahrung und ihr Geschick mit Waffen umzugehen, verlassen.
Er wollte, dass sie wissen, wie außerordentlich sie mit etwas anderem gesegnet waren, das sie auf keinen Fall vergessen durften. Er machte ihnen diese Zusage: „Seid mutig und entschlossen! Lasst euch nicht einschüchtern vom assyrischen König und seinem großen Heer!
Denn auf unserer Seite steht einer, der viel mächtiger ist als er.
Für den König von Assyrien
kämpfen nur Menschen.
Wir aber haben Gott auf unserer
Seite! Er will uns helfen,
Er wird für uns kämpfen!“
Das Volk vertraute seinem König und fasste neuen Mut.
Es werden immer wieder Augenblicke kommen, in denen wir uns fragen: „Woher soll ich den Mut nehmen, um dem zu begegnen, was mich erwartet“ Hiskia gibt uns die Antwort: „Blicke auf und erinnere dich an deinen Gott!“. Als Kind Gottes ist niemand auf sich allein gestellt. Glauben wir das?
Ihre Daniela Griesbach

Andacht zumToten- bzw. Ewigkeitssonntag

Andacht zumToten- bzw. Ewigkeitssonntag

Psalm 90,12
„Lehre uns bedenken, dass wir sterben
müssen, auf dass wir klug werden.“


An die eigene Endlichkeit denken,
kann uns in Angst versetzen und
Druck machen. Was will ich noch in
meinem Leben erreichen? Ich könnte
etwas Wichtiges verpassen! Und tatsächlich,
im Internet und in den Bücherregalen
springen etliche auf diese
Todesangst auf mit sogenannten
bucket lists oder frei übersetzt
„Löffellisten“.
Ein Beispiel: „40 wichtige Dinge, die
auch du in deinem Leben unbedingt
gemacht haben solltest, bevor du den
Löffel abgibst!“ oder „99 Dinge, die
man im Leben ultimativ getan haben
sollte.“ und die Zahl lässt sich beinah
ins Unendliche erhöhen: Von 254 oder
gar 500 Dingen ist da die Rede. Zugegeben,
sie sind oft so übertrieben oder
willkürlich, dass man sie nicht
ernst nehmen kann. Z.B.: Bereise alle
Länder der Welt, die mit A anfangen.
Warum nicht mit P wie Puerto Rico?
Manche sind richtig anregend: Auf
einer Wiese liegen und Wolkenbilder
finden. Dafür nehmen wir uns wohl
tatsächlich zu wenig Zeit! Manche
sind echt süß: Einen Igel im Keller
überwintern lassen.
Aber einmal abgesehen von solchen
recht willkürlichen Lebenszielen haben
wir alle welche. Mehr oder weniger
bewusst leben wir danach. Eine Familie
gründen gehört klassisch oft dazu
oder ein Haus ausbauen. Jede und
jeder hat noch seine ganz persönlichen
Lebensziele. Sie verändern sich
auch im Laufe des Lebens.
Ein 76-Jähriger hat andere als eine
18-Jährige.
Aber es kommt vor, dass wir unsere
Sterblichkeit spüren, wie es der Psalm
sagt. Dabei denke ich nicht vordergründig
an den Tod, sondern an Abschiede
von uns Wichtigem: Ein Lebenstraum
zum Beispiel oder ein Teil
meiner Gesundheit. Es kann auch ein
großer materieller Verlust sein oder
die gute Beziehung zu jemandem.
Immer dann ragt unsere Sterblichkeit
in unser Leben, eine Verbindung zum
Leben reißt ab. Aber wie gehen wir
mit dem um, was für uns unwiederbringlich
verloren ist? Was heißt dabei
„klug werden“?
Eine christliche Antwort gibt uns Paulus
im ersten Korintherbrief, Kapitel
drei. Er schreibt da: Denn niemand
kann ein anderes Fundament legen als
das, das schon gelegt ist. Und das ist
Jesus Christus. Es spielt keine Rolle,
womit auf dem Fundament weitergebaut
wird: mit Gold, Silber oder Edelsteinen,
Holz, Heu oder Stroh. Es wird
sich zeigen, was das Werk eines jeden
Einzelnen wert ist. […]
Verbrennt das Werk, wird er seinen
Lohn verlieren. Er wird zwar gerettet
werden – aber nur wie jemand, der
gerade noch dem Feuer entkommen
ist.
(1. Korinther 3,11-13a.15 Basisbibel)
Aus christlicher Sicht können wir tatsächlich
unser Lebensziel verfehlen.
Und es ist gar nicht, wie die Löffellisten
vermuten lassen, dass ich mir
selbstgesteckte Ziele erfüllen muss.
Es ist das, was Gott für mein Leben
möchte und besteht in der Christusnachfolge.
Das reicht von den allgemeinen
Zielen, Gottes Gebote zu halten
und ihn durch meine Taten und
Einstellung zu ehren. Bis hin zu den
ganz persönlichen Aufgaben, die Gott
mir gibt. Diese erkenne ich, wenn ich
Gott darum bitte.
Aber auch hier kann ich manchen Ansprüchen
nicht gerecht werden, kann
Lebensziele verfehlen. Dann, wenn ich
mich am Ende meines Lebens vor Gott
verantworten muss. Tatsächlich kann
mein Lebenswerk bildlich gesprochen
verbrennen, es für wertlos oder sogar
schädlich beurteilt werden. Von anderen,
von mir, von Gott.
Und trotzdem ist damit noch nicht alles
verloren. Ich selbst bin es nicht. Jesus
Christus hat sich mit mir fest verbunden.
Mit seiner Auferstehung von den
Toten hat er meiner Sterblichkeit den
letzten düsteren Ernst genommen.
Mögen alle Verbindungen zu einem
erstrebenswerten Leben zerreißen.
Eine Verbindung bleibt: Die zu Jesus
Christus, den von den Toten Auferstandenen.
In der Taufe wird mit mir
diese Verbindung festgemacht und im
Abendmahl gestärkt. Im Vertrauen auf
Christus trägt sie mich wie ein fester
Grund, von dem Paulus spricht. Dieser
Halt tröstet in den Verlusten des Lebens.
Er hilft, gelassen und befreit ein
gottgefälliges Leben zu suchen und
über manchen Anspruch an ein angeblich
perfektes Leben entspannt zu lachen.
So leben wir klug mit unserer Sterblichkeit.
Pfarrer P. Pohle

Ein Wort von Landesbischof Tobias Bilz zum Buß- und Bettag

Ein Wort von Landesbischof Tobias Bilz zum Buß- und Bettag

»… so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.« (Mt 11, 29)
Der Buß- und Bettag ist in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. Das ist ein großes Geschenk!
Wir können einen zusätzlichen Tag dafür nutzen, um Klarheit darüber zu gewinnen, ob wir
mit unserer Lebensführung auf einem guten Weg sind und wir können mit Gott darüber
sprechen. So bietet dieser besondere Tag Gelegenheit für Selbstkritik, Besinnung und neue
Orientierung.
Wir begehen den Buß- und Bettag dieses Jahr mitten im November-Lockdown. Die erneuten
Einschränkungen verlangen uns eine Menge ab. Ich habe den Eindruck, sie werden schwerer
verarbeitet als im Frühjahr. Viele Menschen kommen an die Grenzen ihrer Kraft. Die Spannungen
unter uns nehmen zu, manchmal liegen die Nerven blank. Normalerweise leben
wir jetzt auf die Adventszeit zu und freuen uns auf Weihnachten, doch die Aussichten sind
dieses Jahr trüb.
Was bringt uns durch diese schwierigen Wochen? Wer hilft uns, das Geschehen einzuordnen?
Wie gewinnen wir neue Zuversicht?
Jesus verspricht, dass er Menschen zur Ruhe führen will. Im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums
ist das mit folgenden Worten aufgeschrieben:
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt
auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so
werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Ich erkenne darin drei große Herausforderungen und zugleich Chancen:

  1. Lasten bewegen
    Niemand möchte belastet sein und doch ist keiner dauerhaft davon befreit. Im Moment
    spüren wir stärker als sonst, was es heißt, nicht unbeschwert leben zu können. Uns wird
    neu wichtig, dass es Grundrechte geben muss. Zugleich bekommen wir vor Augen gehalten,
    dass sich daraus kein Anspruch auf unbeschwertes Leben ableiten lässt. Das löst bei vielen
    Widerstand aus. Manchmal ist Widerstand notwendig. Ich frage mich, ob er hier hilft oder
    nur zusätzlich Kraft kostet und für Aufregung sorgt.
    Demgegenüber empfiehlt Jesus, das Joch zu tragen. Damit stellt er uns die Frage, ob es nicht
    zumutbar ist, sich einspannen zu lassen, um eine Last zu bewegen. Im Moment heißt die Last
    vor allem Corona. Es gilt Einschränkungen zu ertragen und Mühe auf sich zu nehmen, um
    diese Herausforderung zu bewältigen. Dabei sind die Lasten ganz unterschiedlich verteilt.
    Deshalb dürfen wir nicht nur schauen, wie wir selbst gut durchkommen, sondern werden
    unser Leid auch ins Verhältnis setzen müssen zu dem, was andere zu tragen haben. Niemand
    soll überfordert werden. Wir bewegen die Lasten gemeinsam.
  2. Vorsichtig miteinander sein
    Obwohl niemand ganz genau weiß, welchen Gesetzmäßigkeiten das Corona-Virus folgt, erklären
    wir uns gegenseitig unablässig, wie damit umzugehen ist. Das geschieht zum Teil
    in großer Erregung. Verdächtigungen werden ausgesprochen, Argumente nicht zugelassen.
    Freundschaften kommen unter Druck und wechselseitige Aufforderungen haben ultimativen
    Charakter. Angst macht sich breit.
    Sanftmut aber ist die Fähigkeit, sich nicht von der Erregung mitreißen zulassen. Sie setzt auf
    einen behutsamen Umgang miteinander und möchte, dass niemand verletzt wird. Corona
    fordert uns genug heraus, durch mangelnde Sensibilität vergrößern wir die Last. Stattdessen
    muss jetzt immer mitgedacht werden, was unser Verhalten für andere bedeutet. Tragen wir
    zu Verwirrung und Spaltung bei oder liegen uns Ermutigung und Zusammenhalt am Herzen?
    Dort, wo die Sanftmütigen ihre Wirksamkeit entfalten, kommt der Himmel auf die Erde. Gerechtigkeit,
    Frieden und Freude gewinnen an Kraft. Alle können aufatmen.
  3. Sich selbst zurücknehmen
    Ein demütiger Mensch kann akzeptieren, dass er selbst nicht das Maß der Dinge ist. Er erkennt
    an, dass andere ihm gleichgestellt sind und ordnet sich ein. In der Corona-Pandemie lastet
    eine hohe Verantwortung auf denen, die in Politik und Gesellschaft, Gesundheitswesen und
    Wirtschaft Entscheidungen treffen müssen. Sie sollen nicht nur bestmöglich durch die Krise
    führen, sondern auch noch mit guten Argumenten und persönlicher Überzeugungskraft alle
    mitnehmen. Das kann nicht immer gelingen, zumal es unterschiedliche Handlungsoptionen
    gibt und die Dinge kompliziert sind. Verantwortliche brauchen jetzt Ermutigung und Unterstützung.
    Es muss ihnen zugetraut werden, dass sie unter Abwägung vieler Aspekte nach
    bestem Wissen und Gewissen handeln.
    Demütige Menschen sind keineswegs unterwürfig, wenn sie vorgegebene Einschränkungen
    mittragen. Sie sind aber bereit, um eines höheren Zieles willen, eigene Ambitionen zurückzustellen.
    Das ist jetzt besonders gefragt.
    Lasten bewegen, vorsichtig miteinander sein und sich zurücknehmen – das kann schnell
    zur Überforderung werden. Wir spüren, dass dazu Überwindung gehört. Mir gelingt das nur,
    wenn mein Gottvertrauen intakt ist. Wenn Gott mir Lasten zumutet und dabei an meiner
    Seite bleibt, werden sie tragbar sein. Weil er vorsichtig mit mir umgeht, kann ich auch anderen
    gegenüber vorsichtig sein. Ich glaube, dass Gott der Herr über das Leben ist, deshalb
    kann ich auch Menschen gegenüber demütig sein. So ist der Buß- und Bettag nicht nur zur
    Selbstbesinnung da. Er bietet vielmehr die Gelegenheit, Gott zu suchen und die Gewissheit
    zu gewinnen, dass er in der Krise mitten unter uns wirkt.
    Etwas Persönliches zum Schluss:
    Ich habe einen November-Gruß bekommen, eine Postkarte. Eine Collage zeigt einen blauen
    Hund auf einem Stuhl. Er schnauft durch und schaut von einem Hügel aus auf ein großes
    Durcheinander, welches sich zu seinen Füßen abspielt. Dazu steht: „innehalten – durchatmen
    – neu orientieren“.
    Noch nie hat mich jemand zum November gegrüßt. Deshalb spricht mich diese Karte besonders
    an. Sie weist mich auf das hin, was jetzt möglich ist und stimmt mich auf den Buß- und
    Bettag ein. Ich denke, es ist möglich, zur Ruhe zu kommen.
    Tobias Bilz
    Landesbischof

Wort zum Buß- und Bettag 2020
Herausgegben von
Landesbischof
Tobias Bilz
Bischofskanzlei
An der Kreuzkirche 6
01067 Dresden
bischof@evlks.de
www.evlks.de
Wort zum Buß- und Bettag 2020

Ein geistliches Wort zum Umgang mit der Coronapandemie

Ein geistliches Wort zum Umgang mit der Coronapandemie

Am Novembervormittag klingelt das Telefon. Nach einer Absprache sagt mir die Person, dass sie die ganzen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie für völlig überzogen hält. Unsere Freiheitsrechte würden stark eingeschränkt. Es werde unnötig schlechtes Gewissen gemacht und Angst verbreitet.

Nach ein paar Minuten klingelt das Telefon erneut. Eine andere Stimme. Die Person bittet eindringlich auf bestimmte kirchliche Angebote erst einmal zu verzichten. Das Risiko sich anzustecken sei zu groß. Viele Menschen vor Ort seien schon in Quarantäne.

Zwei Meinungen, die unterschiedlicher kaum sein können. Hier die Angst zu leichtfertig auf unsere Freiheiten zu verzichten. Dort die Sorge, die Lage nicht ernst genug zu nehmen und dabei aus einer falschen Freiheit heraus mit der Gefahr zu spielen. Beides ist nachvollziehbar.

Aber wie können wir mit der Coronapandemie und all den Maßnahmen umgehen? Und zwar so, dass wir gut miteinander auskommen, aber auch mit uns selbst im Reinen sind?

Ich suche eine Antwort bei dem Apostel Paulus. Oft ist er auf seinen Missionsreisen mit ähnlichen Konflikten in den Gemeinden konfrontiert. An konkreten Fragen scheiden sich die Geister. Während die einen sich frei fühlen und frei handeln, fühlen die anderen sich gebunden und tun bestimmtes nicht. Beide haben gute Gründe für ihre Haltung (1. Korinther 8,1-13).

Damals wie heute bleibt die Frage, wie wir im Konflikt mit unserer Freiheit umgehen: Lasse ich meine Freiheit zu sehr beschränken oder bringe ich mit der Freiheit, die ich mir nehme, andere in Not?

Paulus beginnt seine Überlegung folgendermaßen: „,Wir alle wissen doch in dieser Sache Bescheid‘, sagt ihr, und damit habt ihr sicher Recht. Aber bloßes Wissen macht überheblich.“ (Vers 1 Neue Genfer Übersetzung)

Mit „Wissen“ ist auch die eigene Meinung gemeint, nach der wir handeln. Je nach dem gehen uns unterschiedliche Gedanken durch Kopf und Herz, wenn wir Menschen im Geschäft begegnen ohne Masken oder andere weit Abstand von uns halten. Schnell sind wir dabei, uns durch den Umgang anderer mit den Coronaschutzmaßnahmen persönlich herausgefordert zu fühlen. Und schnell kann man überheblich werden: „Was der hat! Der soll sich entspannen!“ Oder: „Merkt die es nicht? Das ist leichtsinnig, so rücksichtslos wie sie sich verhält!“

Aber so kommen wir nicht weiter, sagt Paulus: „Was uns wirklich voranbringt, ist die Liebe.“ (Vers 1) Nicht die eigene Meinung soll unser Denken und Handeln bestimmen, sondern was die oder der andere gerade jetzt braucht. Es braucht eine neue Freiheit, nämlich zugleich zu mir stehen zu können, aber auch auf den anderen einzugehen. Aber woher bekomme ich diese innere Freiheit? Paulus sagt: „Wer Gott liebt, weiß, dass Gott ihn kennt und liebt.“ (Vers 3) Die eigene Meinung und Einstellung sind Gott wertvoll und wichtig. Wenn wir uns also bei Gott geborgen und verstanden wissen, können wir anderen Raum geben. Von Gott innerlich gehalten, können wir unverkrampft zu uns stehen und auch andere stehen lassen, ohne sie zu verurteilen oder zu etwas zu zwingen, was sie nicht möchten.

Wer so innerlich frei ist und denen der Schutz vor Corona persönlich wichtig ist, kann andere gelassen bitten, sich in meiner Gegenwart an die Regeln zu halten. Gott schenkt mir die Freiheit dazu.

Und derjenige, der mehr Freiheit im Umgang mit dem Virus hat, kann sich trotzdem daran halten. Aus Rücksicht auf diejenigen, denen etwas daran gelegen ist. Gott schenkt mir die Freiheit dazu.

Aber es kann nicht mehr darum gehen, auf Prinzipien zu pochen, und die Einhaltung der Maßnahmen durchsetzen zu wollen, wenn es mich nicht betrifft oder nicht in meine Verantwortung fällt. Und andererseits kann es auch nicht mehr darum gehen, Menschen, denen der Schutz vor dem Virus wichtig ist, durch mein Verhalten vor den Kopf zu stoßen. Und schließlich kann es auch nicht darum gehen – wenn wieder neue Nachrichten die eine oder andere Sichtweise bestärken – mit dem Finger zu zeigen. Das bringt uns nicht zusammen und es hilft nicht sich zu verstehen. Paulus würde sagen: Das ist lieblos.

Allerdings wird hier deutlich, dass die Vorsichtigen eher berücksichtigt werden. Ja. Aber es geht hier um die konkrete Situation, die spontane oder notwendige Begegnung in der Öffentlichkeit, im Geschäft, auf Arbeit oder im Privaten. Genauso unerlässlich bleibt auch der Austausch über die verschiedenen Sichtweisen, Argumenten und Meinungen. Wir müssen uns verständigen, hoffentlich auch einigen! Doch das braucht einen geeigneten Rahmen, bei dem sich alle auf einen Austausch einlassen können. Pfr. Pohle

Andacht zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres

Andacht zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres

Friedensstifter …
sind besondere Menschen.
Ich habe sie immer bewundert.
Ihnen gelingt, was ich für unmöglich
halte: Versöhnung schaffen. Viele Beispiele
fallen mir ein. Zwei will ich hier
stellvertretend nennen: Die deutschfranzösische
Aussöhnung nach dem

  1. Weltkrieg, betrieben von Charles de
    Gaulle und Konrad Adenauer oder der
    Kniefall von Willy Brandt am Ehrenmal
    der Helden des Warschauer Ghettos.
    Jesus selbst hat eine hohe Meinung
    über Friedensstifter. Das Matthäusevangelium
    zitiert Jesus mit den Worten:
    „Selig sind, die Frieden stiften;
    denn sie werden Gottes Kinder heißen“,
    Matthäus 5,9.
    Nun ist es eine Sache, sich auf der
    „großen Bühne“ als
    Friedensstifter zu profilieren.
    Wie aber ist
    das, wenn ich privat
    unterwegs bin, in meinem
    Umfeld, dort, wo
    das wachsame Auge
    der Öffentlichkeit nicht
    hinschaut? Bin ich bereit,
    Jesu Auftrag auch
    im Kleinen zu folgen?
    Ein kleines Detail ist
    mir an Jesu Worten
    aufgefallen: Die Bibel
    bezeugt, wer sein Leben
    Jesus Christus anvertraut
    hat,
    der ist Kind Gottes.
    Wer Frieden stiftet, der
    wird von anderen ein
    Gotteskind genannt.
    Ich deute das so: Die Menschen um
    mich herum erkennen und bestätigen,
    dass ich ein Kind Gottes bin, weil sie
    sehen und erleben, wie ich handle.
    Für Jesus ist der Glaube keine Privatsache.
    Was er in meinem Herzen verändert
    hat, soll Auswirkungen auf die
    Gesellschaft um mich herum haben.
    So, wie er Frieden und Versöhnung mit
    Gott in meinem Herzen gestiftet hat,
    möchte er, dass ich Friedensstifter für
    andere werde. Denn: „Selig sind, die
    Frieden stiften; denn sie werden Gottes
    Kinder heißen.“
    Von Wolf-Dieter Kretschmer, erf
    (https://www.erf.de/index.php?
    content_spage=&node=72&content_item=4725)
Andacht Markus 2,23-28

Andacht Markus 2,23-28


Im Text geht es um die Jünger, die
Ähren ausraufen am Sabbat,
was die Pharisäer kritisieren.
Denn das Gebot der Heiligung
des Feiertages ist für sie
wichtig.
Jesus macht ihnen deutlich,
dass der Sabbat für den Menschen
da ist. Also ist die Sabbat-
Ruhe kein Selbstzweck
und Gott kein Herr, der über
die Einhaltung seiner Gebote
wacht. Gott ist ein Gott des
Lebens und der Lebensfreude,
so ist auch die Gestaltung des
Tages zu sehen.
Bei der Sonntagsheiligung geht es
nicht in erster Linie um ein Arbeitsverbot,
sondern darum, dass der Sonntag
dem Leben dient.
Zum Leben gehört unmittelbar, dass
Zeit für die Begegnung mit Gott sein
muss, dass dieses Fest des Lebens
gefeiert werden kann. Sonntags geht
es um „das Leben“.
Die Seele braucht die Liebe.
Um diese Liebe Gottes, die unter uns
wirksam wird, geht es, wenn wir das
Leben in Gemeinschaft feiern.
Das können auch kleine Freundschaften
sein, damit das Leben neuen Farbenglanz
gewinnt und unser innerer
Kompass auf Jesus und sein Erlösungswerk
neu ausgerichtet
wird.
Jeder Mensch steht in seinem Leben
vor der Aufgabe,
seinem Leben eine Richtung
zu geben.
Im Nebel oder in der Krise ist es
schwer, Orientierung zu halten.
Gottes Wort hilft uns
wie der Kompass als ein altes
Messgerät in der Natur.
Diese Ausrichtung auf das Lebenslicht
wünsche ich Ihnen in dieser
dunkler werdenden Zeit.
A.Schenk.