Autor: Christine Klement

Gott begegnen im Advent—Adventsandachten

Gott begegnen im Advent—Adventsandachten

Mitten im oftmals gerade in der Adventszeit viel zu hektischem Alltag einmal zur Stille kommen und sich vorzubereiten auf die Begegnung mit dem Kind in der Krippe.
Dazu laden wir Sie ganz herzlich ein!

Termine: 3.12./10.12./17.12./22.12. immer 20 Uhr in der Kirche Dorfchemnitz.

Orgelmusik-Kerzenschein-Besinnung-Gebet-Andacht

Adventslieder zum Mitsingen

Adventslieder zum Mitsingen

Zum Mitsingen bekannter Advents-und Weihnachtslieder laden Studierende und Lehrende der Hochschule für Kirchenmusik Dresden sowie die Landesposaunenwarte der Sächsischen Posaunenmission ein. Sie haben zwei Videos (eines mit Adventsliedern und ein zweites mit Weihnachtsliedern) eingespielt, von denen das erste hier zu finden ist. Die Tradition des gemeinsamen Singens und Musizierens bei Adventsfeiern kann somit auch zu Hause erlebbar werden. Ob als Familie mit Kindern oder allein, ob beim Lichteln zu Hause oder unterwegs – die vertrauten Melodien und Texte der Advents-und Weihnachtszeit können alle mitsingen. Die Adventslieder und Weihnachtslieder wurden in der malerischen George-Bähr-Kirche in Dresden-Loschwitz eingespielt. Die Weihnachtslieder zum Mitsingen finden Sie ab dem 23. Dezember 2020 auf dem YouTube-Kanal der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens.

Hygienebestimmungen bei Gottesdiensten

Hygienebestimmungen bei Gottesdiensten

Aufgrund der gegebenen Situation bitten wir Sie auf die aktuellen Hygienebestimmungen zu achten:

Die Gottesdienste haben derzeit eine verkürzte Dauer von ca. 30 Minuten. Die Kollekte wird am Ausgang gesammelt. Abendmahl im Gottesdienst ist leider im Moment (noch) nicht möglich. Die Gesangbücher dürfen nicht genutzt werden, es liegen Liedblätter bereit.

Bitte halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zueinander. Begrüßen Sie sich mit einem freundlichen Lächeln statt mit Handschlag. Die Sitzplätze in den Kirchen sind durch Liedblätter und /oder Sitzkissen markiert. Zurzeit, d.h. bis Ende August 2020 dürfen die Abstände unterschritten werden.

Tragen SIe nach Möglichkeit eine Mund-Nasen-Bedeckung. Beim Singen ist das Tragen verpflichtend.

In unseren Kirchen steht Desinfektionsmittel zum Desinfizieren der Hände bereit.

Die Anwesenden werden in Listen eingetragen. Diese dienen ausschließlich zur Nachverfolgung von Infektionsketten, werden drei Tage im Pfarramt aufbewahrt und danach vernichtet.

Wir bitten Sie nach dem Gottesdienst die Kirche mit Wahrung des Abstandes zügig zu verlassen und sich nicht vor der Kirche zu versammeln.

Wir danken für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen Gottes Segen und seinen Schutz.

Der Kirchenvorstand

Osterpredigt

Osterpredigt

Hier kann man sich die Predigt anhören und hier als pdf downloaden.

Liebe Gemeinde,

Aufstehen. Jeden Morgen stehe ich auf. Für mich ist das etwas ganz Selbstverständliches: Wach werden, aufstehen, einen neuen Tag beginnen. Natürlich sind die Tage unterschiedlich, mal kann ich ganz schnell aufstehen, mal will ich lieber liegen bleiben. Mal werde ich ganz gemütlich wach, mal schrillt der Wecker mehrere Male und reißt mich aus meinen Träumen: Er ruft: Aufstehen!

Und gleichzeitig weiß ich, immer wenn ich aufstehe, gibt es Menschen, die nicht aufstehen können, weil sie alt und schwach sind, weil sie krank sind, weil sie Kummer haben.

Hanna hatte großen Kummer.  Sie wollte so gern Kinder haben, aber es klappte einfach nicht. Die Frauen in ihrem Umfeld verspotteten sie, lachten sie aus, gaben mit ihren Kindern an. Hanna war in ihren Augen keine richtige Frau, eine richtige Frau ist nur, wer Kinder hat. Das tat weh, verdammt weh. Hanna verkroch sich immer mehr, sie wollte mit all diesen Menschen nichts mehr zu tun haben. Sie blieb morgens im Bett liegen, sie aß nichts mehr. Allein ihr Mann machte sich um sie Sorgen: Hanna, was weinst du so viel und was verkriechst du dich? Bin ich dir nicht viel mehr wert als 10 Söhne?

Die Geschichte von Hanna könnte die Geschichte von einer Frau aus unseren Orten sein, so aktuell ist sie nach wie vor. Doch die Geschichte von Hanna ist eine ganz alte Erzählung aus dem Alten Testament. Sie steht ganz am Beginn der Samuelbücher. Hanna konnte von sich aus nicht mehr aufstehen. Doch ihr Mann hielt zu ihr: Hanna, ich liebe dich. Ich liebe dich, auch wenn du keine Kinder bekommen kannst. Steh doch auf, iss und trink!

Hanna gab sich einen Schubs, ja – so konnte es nicht weitergehen, sie stand auf und aß und trank und ging zum Tempel. Dort schüttete sie vor Gott ihr ganzes Herz aus. All ihren Kummer, all ihr Leid, all ihre Enttäuschung lud sie bei Gott ab. Und dann wagte sie es doch noch einmal, ihren innigsten Wunsch auszusprechen: Gott, wenn du mir doch ein Kind schenken könntest, ich würde es auch ganz in deinen Dienst stellen…

Als sie vom Tempel wieder zurück kam, war Hanna ganz leicht ums Herz, sie konnte wieder fröhlich sein, essen und trinken. Sie konnte wieder aufstehen. Sie war glücklich mit ihrem Mann. Die spottenden Worte der anderen Frauen perlten an ihr ab. Und da passierte auf einmal etwas, womit niemand gerechnet hatte. Da passierte das völlig Unglaubliche. Gott hatte Hannas Wunsch erhört und sie wurde schwanger. Überglücklich stand Hanna auf und ging zum Tempel um für Gott ein Loblied anzustimmen:

1. Sam, 1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Horn ist erhöht in dem Herrn. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. 6 Der Herr tötet und macht lebendig, führt ins Totenreich und wieder herauf. 7 Der Herr macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. 8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche.

So singt Hanna ihr Gebet. Sie singt aus tiefsten Herzen und mit jeder Faser ihrer Seele. Sie spürt, Gott ist da. Er ist in ihrem Leben. Sie spürt seine Macht und sie weiß, alles liegt in seiner Hand. Er tötet und macht lebendig, er macht arm und reich, erniedrigt und erhöht. Im Gottesvertrauen war das möglich, was unmöglich war. Hanna ist aufgestanden aus der Asche.

Vor ein paar Jahren haben wir einen Ausflug mit dem Kirchenvorstand ins Kloster Wechselburg gemacht. Besonders in meine Erinnerung eingeprägt hat sich mir dort eine Säule. Ganz schlicht stand sie im hinteren Bereich der Klosterkirche. Auf der Säule zu sehen ist ein Zick-Zack-Muster. Es geht immer auf und ab, so wie es in unserem Leben auch auf und ab geht.

An manchen Tagen stehe ich fröhlich auf, an manchen Tagen will ich lieber im Bett liegen bleiben. Da schaffe ich es kaum aufzustehen. An manchen Tagen da bin ich voller Tatendrang, voller Freude, voller Zuversicht und an anderen Tagen weiß ich nicht, was werden soll. An anderen Tagen bin ich krank, schwach, habe gerade meine Arbeitsstelle verloren. An anderen Tagen weiß ich weder ein noch aus vor Kummer, weil ein lieber Mensch gestorben ist, weil es Streit gab, weil mich mein Partner verlassen hat. Dann scheint alles bergab zu gehen. So wie bei dem Zick-Zack Muster die Linie nach unten.

Doch der Steinmetz aus dem 13. Jahrhundert, er hatte die große Hoffnung, dass die Linie nicht nur bergab gehen, dass es den Tag gibt, an dem ich wieder gesund bin, an dem ich wieder weiß, was ich arbeiten kann, an dem ich meinen Kummer überwunden habe. Dann kann ich wieder aufstehen, dann kann ich neu ins Leben gehen, dann geht es wieder bergauf.

Vor drei Tagen saß Jesus im Garten Gethsemane, er betete: Herr, wenn es sein kann, nimm diesen Kelch von mir, aber nicht wie ich will, sondern wie du willst geschehe es. Jesus weiß, dass Schweres vor ihm liegt – doch voller Gottvertrauen gibt er sich hinein. Es geht abwärts bis zum Tod am Kreuz, Jesus kann nicht mehr aufstehen. Und dann kommt dieser Morgen, der Oster-Morgen. Niemand hat je damit gerechnet und auf einmal ist der Stein vom Grab weggerollt, ist das Grab leer, stattdessen sind dort Engel, die den Frauen sagen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Das Unglaublich, das Unmögliche ist passiert: Jesus ist wieder aufgestanden, aufgestanden aus dem Tod.

Dieses Aufstehen aus dem Tod hat noch einmal eine tiefere Dimension als das morgendliche Aufstehen. Und auch die Säule in Wechselburg hat noch eine tiefere Dimension: Es geht bei den Zick-Zack Linien nicht nur bergauf und bergab, so wie es in unserem Leben Höhen und Tiefen gibt, sondern wenn man die Zick-Zack Linien mit dem Finger nachfährt merkt man, dass es eine aufsteigende Linie ist. Die Zick-Zack Linie führt also immer weiter nach oben. Sie führt Richtung Himmel.

Ich drehe mich von der Säule um Richtung Altar. Dort sehe ich Jesus am Kreuz. Doch Jesus ist am Kreuz nicht alleine. Über ihn wachen die Augen Gottes. Rechts und links greifen Engel unter seine Arme. Sie helfen ihm wieder aufzustehen, sie helfen ihm, dass sein Leben weiter geht, weiter Richtung Himmel.

Auch Hanna greifen die Engel unter die Arme. Hanna wird wieder lebendig. Ihr Leben geht weiter Richtung Himmel: Sie kann von ihrem Leben weitergeben. Sie gebiert ihren ersten Sohn Samuel und noch drei Söhne und zwei Töchter. Samuel übergibt sie, wie sie es Gott versprochen hat, dem Hohepriester. Und so wird Hannas Wunsch zum Segen für das Volk Israel. Samuel wird von Gott zum Propheten und Richter berufen und Samuel ist es, der Saul als ersten König über Israel einsetzt. Hannas Gebet wurde erhört, ihr Wunsch erfüllt. Das ist wunderbar.

Auch mir greifen Engel unter die Arme. Ich spüre den Zick-Zack Linien in meinem Leben nach. Immer wieder gab es Höhen und Tiefen, immer wieder wird es sie geben. Diese Zick-Zack Linien gehen immer höher und auf ihnen geht mein Leben weiter Richtung Himmel. Ich kann aufstehen, auch nach dem letzten Tag meines Lebens. Das ist wunderbar.

Hanna jubelt und in ihren Jubel sollen wir heute zu Ostern einstimmen: Laut sollen wir das lange verstummte Halleluja wieder singen, denn bei Gott ist das Unmögliche möglich: Der Herr tötet und macht lebendig, führt ins Totenreich und wieder herauf. Bei Gott ist der Tod nicht das Ende, sondern der Beginn zu neuem Leben.

Gesegnete Ostern wünscht Ihnen, Ihre Pfarrerin Christine Klement

Karfreitag und Ostern in unserer Landeskirche

Karfreitag und Ostern in unserer Landeskirche

Viele Andachten und Gottesdienste im Livestream, aber auch im Fernsehen

DRESDEN – Die Kirchgemeinden in Sachsen bereiten sich derzeit auf die Karwoche und das Osterfest vor. Angesichts der Einschränkungen des öffentlichen Lebens müssen dabei neue Wege gefunden werden, wie Christen in diesem Jahr diese Feiertage begehen können und wie die Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu verkündigt werden kann. Das ist zweifelsohne ein beispielsloser Einschnitt in das religiöse Leben für viele Christen in Sachsen. Den bisher schon schwierigen Bedingungen wird somit auch zu Ostern von den Kirchgemeinden mit fantasievollen Ideen und Formaten geistlicher Angebote und virtueller Gemeinschaftsaktionen begegnet werden müssen.

Wenn der direkte Kontakt in Gottesdiensten nicht möglich ist, kommen nun verschiedene andere Kommunikationswege verstärkt in den Blick: Briefe, Telefon, Online-Angebote, aber auch Musik und Glockengeläut. Gerade in Krisenzeiten ist das Bedürfnis der Menschen nach Gemeinschaft groß.

Auf diesen Wunsch nach gemeinschaftlichem Gebet, Austausch und der Freude über das Auferstehungsfest der Christenheit, versuchen die örtlichen Kirchgemeinden und die Landeskirche einzugehen. So wird Landesbischof Tobias Bilz neben den sonntäglichen Livestream-Gottesdiensten auch in der Karwoche um 18:00 Uhr eine Abendandacht anbieten, die auf YouTube und Facebook übertragen und regelmäßig von mehreren hundert Menschen mitgefeiert wird.

Aktuell wird er am 5. April (Palmsonntag) in der beliebten Hörfunksendung „Sonntagsbrunch“ bei MDR SACHSEN (10:00–13:00 Uhr) zugeschaltet sein. Die Sendung lässt sich im Sonntagsbrunch-Audio nachhören.

Am Gründonnerstag, 9. April, lädt der Landesbischof die sächsischen Christen zu einem gemeinsamen Agape-Mahl ein, das er um 17:00 Uhr aus der Diakonissenhauskirche in Dresden per Livestream mit den Gottesdienstzuschauern zu Hause feiern möchte. Brot und Weintrauben werden diesmal nicht nur in der Kirche, sondern auch an vielen vorbereiteten und geschmückten Tischen zu Hause geteilt werden in Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.

Zum Karfreitag wird es bei MDR SACHSEN – Das Sachsenradio um 7:45 Uhr ein Wort zum Feiertag von Landesbischof Bilz geben. Um 10:00 Uhr kann ein Gottesdienst aus der Unterkirche der Frauenkirche in Dresden als ARD-Fernsehgottesdienst sowie Hörfunkgottesdienst bei MDR Kultur mitgefeiert werden, an dem der Landesbischof mitwirken wird. Zur Sterbestunde Jesu (15:00 Uhr) werden überall in Sachsen die Kirchenglocken läuten. Dazu wurde ein Gebet veröffentlich, das zum Läuten der Glocken gesprochen werden kann. Am Karsamstag wird um 23:00 Uhr aus der Dresdner Kreuzkirche die Nacht der Auferstehung (Osternacht) gefeiert und übertragen.

Am Ostersonntag, 12. April, verkünden viele sächsische Kirchen um 6:00 Uhr mit Glockengeläut die Botschaft von der Auferstehung Jesu vom Tod. Um 10:00 Uhr wird ein Ostergottesdienst mit Landesbischof Tobias Bilz aus der Nikolaikirche Leipzig im Livestream ausgestrahlt. Im Gottesdienst und in den Wohnungen wird gemeinsam das Osterlicht entzündet und Taufgedächtnis gefeiert.

Viele Kirchgemeinden oder Kirchenbezirk organisieren ebenfalls Osterfestgottesdienste im Livestream, die häufig auch in lokalen und regionalen Fernsehprogrammen übertragen werden. So wird durch das Fernsehen auch für Menschen ohne Internet die Möglichkeit eröffnet, als Zuschauer gottesdienstliche Veranstaltungen zu verfolgen.

Die bevorstehende Karwoche und das Osterfest werden aus der Kreuzkirche Dresden mit zahlreichen Veranstaltungen begleitet, die im Regionalprogramm SACHSEN FERNSEHEN und auf dem YouTube-Kanal der Kreuzkirche zu sehen sind. Anstelle der geplanten kirchenmusikalischen Veranstaltungen wurden neue Programme zusammengestellt und mit Gesangs- und Instrumentalsolisten aus Dresden und Umgebung eingespielt. Die Palette reicht von gregorianischen Gesängen und Werken der Romantik bis zu einer Arie aus Bachs „Matthäuspassion″.

In Leipzig gibt es viele Online-Angebote, die von Livestream-Gottesdiensten bis zu Video-Andachten reichen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit Gebetsbriefe im Pfarramt abzugeben, Telefonandachten anzuhören oder geöffnete Kirchen einzeln zu besuchen. In vielen Gemeinden werden in den nächsten Tagen Osterbriefe geschrieben und an die Haushalte verteilt. Kinder malen Osterbilder für ältere Gemeindeglieder oder sie werden in Kirchen ausgelegt.

Unter dem Motto „Eastern calling“ wird in den erzgebirgischen Gemeinden Bernsbach, Beierfeld und Grünhain zum Telefon-Flashmob aufgerufen. Nach dem Fernsehgottesdienst am Ostersonntag um 10:15 Uhr rufen fünf Personen jeweils fünf weitere Personen mit der Osterbotschaft „Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“ an und bitten darum, die Botschaft wiederum weiterzutragen. Dort hoffe man, dass sich in der diesjährigen „eher tristen Osterrealität“ „österliche Freude und ein bisschen Geselligkeit“ einstelle.

Die Sächsische Posaunenmission lädt gemeinsam mit dem Evangelischen Posaunendienst in Deutschland unter dem Motto „Ostern vom Balkon“ alle Bläserinnen und Bläser dazu ein, am Ostersonntag um 10:15 Uhr den Choral „Christ ist erstanden“ von Balkonen erklingen zu lassen. 
Auch die Initiative zu einem ökumenischen Glockenläuten am Ostersonntag um 12:00 Uhr, die von der EKD und mehreren Landeskirchen und Bistümern getragen wird, wurde den sächsischen Kirchgemeinden als Anregung weitergegeben.  

In Chemnitz werden unter dem Titel „OSTERN 2020 IN CHEMNITZ – Kirche vor der Kamera“ täglich fünfminütige Sendungen im Chemnitz-Fernsehen und auf Facebook ausgestrahlt. Die Chemnitzer Kirchgemeinden und die Diakonie Stadtmission melden sich damit von Palmsonntag bis Ostermontag jeweils um 18:50 Uhr mit einem geistlichen Impuls zu Wort.

Am Ostermontag wird um 10:00 Uhr ein MDR-Rundfunkgottesdienst aus der Kirche in Dresden Leubnitz-Neuostra gesendet, der parallel auch über den landeskirchlichen YouTube-Kanal per Livestream übertragen werden wird. Die Predigt hält Pfarrer Dr. Wolf-Jürgen Grabner.
[Weitere Informationen zum Ostergeschehen folgen!)

Osterbrief vom Landesbischof

Osterbrief vom Landesbischof

„Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“
Joh 14, 27


Liebe Schwestern und Brüder,
ich schreibe meinen ersten Brief an Sie in Zeiten des Ausnahmezustandes. Wir gehen auf das Osterfest zu und wissen nicht, wie wir es feiern sollen. Der Ausfall unserer Gottesdienste und Versammlungen war auch in den vergangenen Wochen schwer. Jetzt aber sind wir tief beunruhigt: Wie sollen wir am Gründonnerstag das Heilige Mahl halten? Werden wir die Passionsgeschichte allein lesen müssen? Auf welche Weise soll sich der Osterjubel ausdrücken?


Zugleich schauen wir täglich gebannt auf Infektionszahlen und hören furchtbare Berichte von überfüllten Krankenhäusern im Süden Europas. Wir sind Umständen ausgesetzt, die wir uns nicht im Traume hätten vorstellen können. Ich bitte Sie nun, mit mir einige Schritte zu gehen, um ein wenig zu verarbeiten, was uns gerade widerfährt.


Erschütterungen aushalten
„Bitte sorgen sie dafür, dass wir zu Ostern Gottesdienst feiern können!“ Diesen Wunsch höre und lese ich vielfach in diesen Tagen. Während die einen es in der Enge ihrer Wohnungen nur schwer miteinander aushalten und andere mit Blick auf die Wirtschaft das Ende des Shutdown herbeiwünschen, haben wir Christen (zusätzlich) Sehnsucht nach unseren Versammlungen. Alle zusammen teilen wir die Hoffnung, so schnell wie möglich in unser normales Leben zurückkehren zu können. Das verwundert keineswegs. Die Durchbrechung unserer Gewohnheiten löst tiefe Verunsicherung aus. Wir können im Moment auf keine Erfahrungen zurückgreifen und wissen daher nicht mit Be-stimmtheit, was wir tun sollen. Das fängt schon mit der Einschätzung der Situation an. Wie gefährlich ist dieses Virus, das man nicht sehen kann und dessen Wirkung für die meisten auch nicht spürbar ist? Darf uns jemand verbieten, Gott in unseren Versammlungen zu loben, ohne damit den Bekenntnisfall auszulösen? Kann man den Medien vertrauen, über die alle ihre Informationen be-ziehen oder werden wir planmäßig hinters Licht geführt? Klar ist nur so viel: Jetzt geht es in erster Linie darum, die Ansteckungsquote zu verringern, um Menschenleben zu schützen oder gar zu retten.


Aber Covid 19 ist nicht die einzige Erschütterung, die uns gerade die Sicherheiten raubt. Noch sind wir am Verarbeiten der Krise, die uns im vergangenen Herbst getroffen hat, noch sind wir dabei zu verstehen, wie es zum Rücktritt unseres Landesbischofs Carsten Rentzing kommen konnte. Auch dieser Vorgang war und ist beispiellos. Gerade hatten wir angefangen uns gegenseitig zu erzählen, wie wir das erlebt haben und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, da wird uns schon die nächste Herausforderung zugemutet.


Schließlich stecken wir mitten in den Anstrengungen der Umsetzung einer großen Strukturreform. Die ganze Landeskirche ist davon direkt oder indirekt betroffen. Das Ziel ist klar: Tragfähige Strukturen bis möglichst 2040 zu gewinnen. Der Weg dorthin jedoch ist unübersichtlich. Mühsam ordnen wir die neuen Verhältnisse. Über allem schwebt die Sorge, ob wir am Ende in den neuen Strukturen noch ein lebendiges Gemeindeleben vorfinden werden. Oft fehlt die konkrete Vorstellung, wie es in Zukunft gehen soll. Wir fahren auf Sicht und lernen auf dem Weg.


Wir sind also von vielen Seiten unter Druck und sehnen uns nach guten und geordneten Verhältnissen. Offensichtlich aber wird uns zugemutet, dass es jetzt nicht so ist. Wir sind Erschütterungen ausgesetzt und müssen sie zunächst einmal aushalten. Aushalten bedeutet für mich, den Tatsachen ins Auge zu schauen und schnellen Handlungsreflexen zu widerstehen. Aushalten verzichtet auf den vermeintlichen Befreiungsschlag und zieht sich dennoch nicht zurück. Aushalten heißt stehen und fest zu bleiben, um Orientierung zu gewinnen. Im biblischen Sprachgebrauch ist das Besonnenheit. Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes (2. Tim 1, 7). Sie wächst, wenn wir unter Druck in einer Haltung des Gottvertrauens bleiben. Sie wird reif, wenn wir die Überzeugung gewinnen, dass Gott der Herr der Lage ist, selbst wenn scheinbar alles aus dem Ruder läuft.


Frieden erfahren
Jesus Christus hinterlässt Frieden und gibt Frieden. Ich rätsle, warum das bei Johannes unterschieden wird. Steckt dahinter die Beobachtung, dass jede Gotteserfahrung zwar Frieden hinterlässt, dieser Frieden sich aber auch verflüchtigt und dann neu empfangen werden muss? Von mir kann ich jedenfalls sagen, dass ich tatsächlich an manchen Tagen felsenfest davon überzeugt bin, dass alles gut wird, weil Gott da ist. Wenig später aber kann ich in tiefe Zweifel stürzen, weil ein Problem übermächtig wird und das Licht der Gegenwart Gottes völlig verdunkelt. Frieden ist also kein gleichmäßiger dauerhafter Zustand. Er muss bewahrt und immer wieder neu errungen werden. Das betrifft den Herzensfrieden genauso wie den sozialen Frieden unter uns und den Frieden zwischen Völkern und Nationen. Frieden ist nie selbstverständlich da.


In der aktuellen Situation erlebe ich, dass viele Ehrenamtliche und Hauptberufliche den Stillstand im Bereich der Veranstaltungen dafür nutzen um neue Aktivitäten zu entfalten: Livestream-Gottesdienste, Andachten, persönliche Worte, kleine YouTube-Videos… Fast in jeder Gemeinde wendet sich der Pfarrer oder ein Mitarbeitender regelmäßig online an die Gemeindemitglieder. Andachten können über Telefonnummern abgehört werden, es werden kleine Texte ausgedruckt und in Briefkästen gesteckt, Kirchen werden offen gehalten, Seelsorge wahrgenommen. Eine Fülle von Möglichkeiten eröffnet sich ganz neu. Das hilft, um in Kontakt zu bleiben und die Not als Chance zu begreifen. Ich bin davon sehr beeindruckt! Freilich hat das auch seine Schattenseiten. Geraten wir etwa in ein neues Leistungsdenken? Vor einiger Zeit bekannte mir ein Pfarrbruder kleinlaut, dass er noch keinen einzigen Gottesdienst aufgenommen und gestreamt habe und fragte, ob das in Ordnung sei.


Es gilt also auch im Angesicht der neuen Möglichkeiten, im Frieden zu bleiben. Für einen Moment stillzuhalten, könnte uns dabei helfen, uns neu zu orientieren: Welche unserer Veranstaltungen brauchen wir wirklich und welche haben sich längst überlebt? Worauf wollen wir uns konzentrieren, wenn wieder alles möglich ist? Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne eine produktive Nachdenklichkeit.



Sicherheiten loslassen
Irgendwann werden wir unser gewohntes soziales Leben wieder aufnehmen. Wir werden uns herzlich die Hände schütteln und uns umarmen, gewiss auch das Leben genießen. Nachgeholte Feiern werden uns besonders tief berühren. Eine Erfahrung aber wird uns bleiben: Unser Alltag kann von einem Tag auf den andern umgestürzt werden und das in Deutschland, einem der sichersten Länder dieser Welt. In uns wird zurückbleiben, dass das Leben immer gefährdet ist. Menschen in Not werden für uns nicht länger die anderen sein, die es eben getroffen hat. Wir werden neu wissen, was immer klar war. Diese Welt bietet nicht den Schutz und die Geborgenheit, die wir brauchen, um uns existentiell aufgehoben zu fühlen. Deshalb ist unser Leben ein Wandern durch diese Welt hindurch, wir sind auf dem Weg in das Reich Gottes.


Ich wünsche mir, dass das unseren Glauben verändert. Mutiger könnten wir werden, um das zu leben, was uns im Glauben an Jesus Christus wichtig geworden ist. So, wie wir jetzt neue Formen der Kommunikation aufnehmen, könnten wir auch in anderen Bereichen unserer Arbeit alternativ denken und handeln. Vielen von uns sind unterschiedlichste Aspekte dessen, was Jesus Christus als Merkmale des Reiches Gottes bezeichnet hat, wichtig. Einiges davon leben wir, anderes scheint nicht recht in unseren Gemeinde- und Lebensalltag zu passen. Dem Unpassenden Platz zu verschaffen, ist oftmals mit Unsicherheit verbunden. Wir wissen noch nicht, wie es sich bewähren wird. Wir haben Angst das Vertraute darüber zu verlieren. Werden wir jetzt risikofreudiger?

„Kirche die weitergeht“ haben wir die „Initiative Missionarischer Aufbrüche“, mit der wir Pilotprojekte des Glaubens und der Gemeinschaft unterstützen, jetzt genannt. Darin drückt sich das Vertrauen aus, dass es mit der Kirche in jedem Falle weitergehen wird. Aber eben nicht nur im Sinne eines schlichten Fortführens. Grenzen sollen überschritten und Neues gewagt werden.


Festigkeit gewinnen
Das Leitwort für diesen Brief bezieht sich auf kommende Verunsicherungen und auf Enttäuschungen im Blick auf nicht erfüllte Erwartungen. Jesus Christus geht davon aus, dass es Ereignisse geben wird, die das Potenzial haben, uns tief zu erschüttern. Eine ältere Frau hat mir in diesen Tagen gesagt: „Es kann ganz schnell zu Ende gehen.“
Deshalb stellt sich am Ende dieses Osterbriefes noch einmal die grundsätzliche Frage nach dem, was uns Halt geben kann.


Zum Dienstbeginn habe ich den kleinen Aufsatzband von Jürgen Moltmann „Wer ist Christus für uns heute?“ geschenkt bekommen. Ich lese ihn in ganz kurzen Absätzen und gewinne daraus Kraft und tiefe Einsicht. Besonders berührt mich, dass Moltmann alles, was unseren Glauben ausmacht und was uns irgendwie betreffen könnte, an der Person von Jesus Christus festmacht. Ich zitiere nur einen kleinen Abschnitt: „Untrennbar gehören beide zusammen: Jesus und das Reich Gottes, das Reich Gottes und Jesus. Jesus bringt das Reich Gottes auf seine einzigartige Weise zu uns Menschen und führt uns in die Weite und Schönheit des Reiches hinein. Und das Reich Gottes macht Jesus zum Christus, zum Heiland und zum Befreier für uns alle.“


Manches wird uns gerade genommen, anderes lernen wir neu schätzen. Es gibt viel Unsicherheit und manche Sorge. Erschüttert wird das, was erschüttert werden kann. Demgegenüber aber steht ein personaler Glaube. Wir sind nicht gegründet in den Lehrsätzen unserer Kirche. Auch unsere ganz persönlichen Erkenntnisse können in Belastungsproben wegbrechen. Die äußeren Verhältnisse des kirchlichen Lebens haben nicht die Verheißung, alle Zeiten zu überstehen und unser Stützen auf irdische Sicherheiten wird in der Krise bloßgestellt.


Jetzt kommt es mehr denn je darauf an, ob wir in Jesus Christus selbst gegründet sind. Die Verbindung mit seinem Leiden, Sterben und Auferstehen ist uns mit der Taufe längst geschenkt worden. Im Glauben ergreifen wir sie jetzt neu! Damit kann Ostern dieses Jahr zu einem besonderen Erlebnis werden: Wir vollziehen vorwegnehmend, dass nach der Krise ein neues Leben beginnt. Dieses neue Leben wird nicht nur eine Rückkehr zum Gewohnten sein, sondern eine andere Qualität haben. Ich bin gespannt, wie sich das ausdrücken wird!


Liebe Schwestern und Brüder, mit diesen Zeilen wende ich mich nicht nur an die Pfarrerinnen und Pfarrer oder hauptberuflich bzw. ehrenamtlich Mitarbeitenden, sondern an alle Glieder unserer Landeskirche. Ich freue mich, dass wir im Glauben miteinander verbunden sind. Gemeinsam freuen wir uns über das, was wir an Segen erleben. Gemeinsam tragen wir auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die uns zugemutet werden. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Treue zu unserer Kirche! Sie drückt sich darin aus, dass Sie einfach dabeibleiben, sich beteiligen, mit Ihren Möglichkeiten einbringen oder intensiv mitarbeiten.


Seien Sie an diesem besonderen Osterwochenende auch besonders gesegnet.
Ich bete dafür, dass Sie dem Gekreuzigten und Auferstandenen begegnen.
Herzlich verbunden

Ihr
Tobias Bilz
Landesbischof